Fränkische Höllentalbahn

Zug mit Dampfspeicherlok

Mit dieser Wanderung habe ich im Mai 2014 die alte Trasse der ehemaligen fränkischen Höllentalbahn erkundet. Der Weg führte mich vom Bahnhof Blankenstein (Saale) in Thüringen durch das malerische Selbitztal bis nach Marxgrün in Bayern und ist mit Sicherheit nicht nur für Eisenbahnnostalgiker interessant.


Wanderung:

In Blankenstein (Saale), wo der 170 km lange Rennsteig, der älteste Fernwanderweg Deutschlands endet, befindet man sich im ehemaligen Grenzgebiet der DDR. Nach ca. 1 km meiner Wanderung überquert man das Moschwitz-Viadukt und somit die ehemalige innerdeutsche Grenze. Der Weg hierher wurde am 21. Dezember 1889 für Fußgänger als Weg in den Westen geöffnet.

Ca. 250m weiter findet man den früheren Bahnhof Lichtenberg (Oberfranken). Das liebevoll sanierte Gebäude beinhaltet heute ein ‚Informationszentrum‘, in dem neben Exponaten zur Geschichte des Höllentals auch eine Modellbahn ausgestellt ist, die die Höllentalbahn zwischen den früheren Bahnhöfen Lichtenberg und Hölle zeigt. Auf dem Freigelände laden mehrere überdachte Sitzgruppen zum Verweilen ein. Ein kleiner Zug, der ebenfalls Exponate des Informationszentrums beherbergt, wird von einer Dampfspeicherlokomotive angeführt.

Weitere 500m weiter erhält man links einen Blick auf die Felsspitze „Hirschsprung“, die ein lebensgroßer, springender Hirsch aus Holz ziert. Der Sage nach haben sich hier mehrfach in die Enge getriebene Hirsche durch einen Sprung zu retten versucht. Alsbald kommt man an einer schönen Holzbrücke, auch „Jungfernsteg“ genannt, vorbei. Das nachfolgende Wasserkraftwerk wurde 1888 als Holzschleiferei errichtet und 1933 auf reine Stromerzeugung umgebaut. Die Bauart der Turbinen erlaubt keinen direkten Antrieb durch den Fluss. Vielmehr wird das Wasser ca. 1,7km flussaufwärts an einem Wehr gestaut, über eine 1,7km lange Rohrleitung zu einem Wasserturm geleitet, von wo es mit einer Fallhöhe von 38m die Turbinen antreibt. In den warmen Jahreszeiten gibt es an Sonntagen, bei ausreichender Wasserführung, für die Spaziergänger eine 36 m hohe Wasserfontäne. Dabei kann bei gutem Wetter zwischen 15 und 16 Uhr oft ein Regenbogen beobachtet werden.

Vom Wasserkraftwerk ist es nicht mehr weit bis zum Selbitzviadukt. Nach einer Besichtigung desselben kehrt man zurück zum ‚Jungfernsteg‘, überquert die Selbitz, hält sich rechts und folgt dem Röhrensteig. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts die oben erwähnte Rohrleitung zur Versorgung des Kraftwerkes erbaut wurde, entdeckten die Einheimischen diese Röhre schnell als Steig, was dem Weg seinem Namen verpasste. Später wurde die Röhrentrasse zum Weg ausgebaut und vor einigen Jahren aufwändig saniert. Die Wanderung führt vorbei an dem Wasserturm und einem Exponat der Rohrleitung, die hier verbaut wurde. Nur wenig weiter kann man von oben einen Blick auf das Selbitzviadukt werfen. Die Route überquert hier den Kanzelfelstunnel.

Im weiteren besteht die Strecke aus Natur pur und für den Eisenbahnfreund aus Relikten einer verschwundenen Bahnstrecke, die durchweg zur Rechten zu finden sind. Immer wieder kann man das alte Schotterbett entdecken und auch die Vegetation hat sich den Bahndamm noch nicht so zurück erobert, als das man die alte Trasse nicht noch erkennen könnte. Der Weg verläuft zeitweise nahe der Selbitz. An dem hölzernen Wehrgebäude wird das Wasser für das Kraftwerk abgezweigt. Die frühere Eisenbahntrasse war hier über eine Kastenbrücke geführt, um Beschädigungen der Rohrleitung zum Kraftwerk zu verhindern. In dem kleinen Ort ‚Hölle‘ kommt man an einer Grünfläche vorbei, auf der ein kleines offenes Häuschen mit Sitzbänken steht. Auf dieser Fläche befand sich früher der Bahnhof Hölle.

Danach geht es durch die Natur, mit noch mehr Bahnrelikten, wieder zur Rechten. Meiner Route folgend erreicht man Marxgrün, wo man sich bei ‚Hönl’s Imbiss‘ von der Wanderung erholen und stärken kann. Als Einheimischer wusste der Inhaber mir allerhand über die frühere Höllentalbahn zu berichten. Bei Interesse einfach mal fragen. Im übrigen führt der Rest meiner Route einmal längs durch Marxgrün und zurück, wo ich seinerzeit weitere Spuren der alten Eisenbahntrasse verfolgte. Dieser Umweg dürfte höchstens für Eisenbahnfreunde interessant sein. Das Ende der Wanderung ist der Haltepunkt Marxgrün.

Externe Links:
Das Höllental
Modellbahn im Informationszentrum Lichtenberg
Kraftwerk Höllental
Historische Fotos der Höllentalbahn


Höllentalbahn:

Die hier beschriebene ‚fränkische Höllentalbahn‘ wurde im August 1901 eröffnet und führte bis 1945 von Blankenstein (Saale) weiter nach Marxgrün in’s bayrische.

Die ‚Höllentalbahn‘ war Teil der Strecke Triptis – Marxgrün, welche auch als Thüringer Oberlandbahn bekannt ist. Obwohl vornehmlich auf bayrischem Terrain liegend, wurde die Höllentalbahn von den Preußischen Staatseisenbahnen gebaut und betrieben. Marxgrün war Übergabebahnhof zwischen dieser und der bayrischen Staatsbahn. Früher mit regem Güterverkehr und eigenem Lokschuppen, ist Marxgrün heute nur noch Haltepunkt.

Der 5,5 km lange Streckenabschnitt führt durch das wildromantische Tal der Selbitz und gilt als eine der am schönsten gelegenen (ehemaligen) Bahnlinien Deutschlands. Er führte über mehrere, teils sehr beeindruckende Steinbrücken u.a. das Selbitzviadukt und durch zwei Tunnel, den Kessel (160m) -und den Kanzelfelstunnel (35m). Die Tunnelportale sind mannshoch zugemauert.

Wenig bekannt ist, dass die Strecke >Triptis – Marxgrün< regelmäßig von Adolf Hitlers Sonderzug auf dem Weg von Berlin nach Berchtesgarden benutzt wurde, wobei dieser Zug oft bombensicher im Kesselfelstunnel abgestellt wurde. Manche Quellen benennen den namensgebenden Felsen zwar mit ‚Kesselberg‘, der richtige Name lautet aber ‚Kesselfels‘.

Bis 1971 fand noch geringfügiger Güterverkehr ins Höllental, bis Bahnhof Hölle, statt. Anfang der 80er Jahre begann dann der Gleisrückbau, wobei einige Teile erst 2 Jahre vor Ende der deutschen Teilung abgebaut wurden. Hätte man diese vorhergesehen, wäre die Strecke vielleicht wieder in Betrieb. Die entsprechenden Anlagen in Marxgrün demontierte man erst Ende der 90er Jahre.

In den letzten Jahrzehnten gab es diverse Vorstöße in Richtung Erhalt bzw. Reaktivierung der Höllentalbahn. In der früheren BRD wurde Anfang der 80er versucht, eine Museumsbahn zu etablieren und somit die Strecke zu erhalten. Mit der Wende sollte der Lückenschluss praktiziert werden. Bis heute wird daran gearbeitet, die Verbindung Höllentalbahn wieder herzustellen, leider vergebens.

Folgende externe Links gehen detaillierter auf den ehemaligen Streckenverlauf ein:
Karte mit dem ehemaligen Streckenverlauf
ausführlicher Bildbericht

Externe Links:
Bahnhof Marxgrün
Bahnstrecke Triptis – Marxgrün
Webseite des Höllennetz e.V. 


Zur Strecke:

Die knapp 10km lange Strecke ist in rund 3 Stunden zu bewältigen, was in meinem Fall auf dem Rückweg so war, den ich zudem geringfügig abkürzte, indem ich nicht mehr dem alten Streckenverlauf folgte. Für den Hinweg brauchte ich um die 6 Stunden (exkl. Pausen) aber wenn man alles erkundet und sich vielerorts länger aufhält ist das nun mal so.

Die Wege sind zum großen Teil asphaltiert oder anderweitig befestigt und führen zu einem guten Teil über ausgewiesene Radwege. Nur kurze Etappen bestehen aus Wald -o. Feldwegen, die zumindest bei trockenem Wetter problemlos zu laufen sind. Obwohl die Strecke ein vornehmlich ansteigendes Höhenprofil aufweist, würde ich ihren Schwierigkeitsgrad zwischen leicht und mittelschwer einstufen. Die Strecke ist zudem absolut fahrradtauglich. Lediglich vom ‚Jungfernsteg‘ bis zum Kanzelfelsen geht es steiler zu. Aber dieses Stück kann man den Drahtesel notfalls schieben.

Parken kann man vor dem Bahnhof Blankenberg (Saale), in 2014 ging das kostenfrei. Am Ende der Strecke kann man sich an einem Imbiss stärken.

Die Strecke ist als Einwegstrecke konzipiert. Wer für Rückweg auf den Nahverkehr setzt muss acht geben, nicht verlassen zu sein. Nach damaligen und heutigen Recherchen gibt es wenige in Frage kommende Busverbindungen, die letzte um 15:35 Uhr ab ‚Marxgrün Bahnhof‘ und diese auch nur am Mittwoch und am Donnerstag. Es handelt sich hier um die Linie 620 von Naila nach Ziegenrück. Die einzigen Alternativen: man lässt sich abholen oder fährt generell mit dem Rad.

externe Links:
Nahverkehr KomBus

Bildergallerie:
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