Steinbach-Ludwigstadt

Steinach am Wald

Die Frankenwaldbahn ist eine zweigleisige Hauptstrecke. Sie führt von Hochstadt-Marktzeuln in Bayern nach Probstzella in Thüringen und ist Teil der Verbindung München – Berlin über Nürnberg, Jena, Halle u. Leipzig. In Hochstadt-Marktzeuln zweigt die Strecke von der Ludwig-Süd-Nord-Bahn ab, in Probstzella geht sie in die Loquitztalbahn über.

Wie viele deutsche Bahnen wurde auch die Frankenwaldbahn in Etappen gebaut und dem Betrieb übergeben. Der Lückenschluss zwischen Ludwigsstadt und Probstzella erfolgte am 1. Oktober 1885. Obwohl das Planum bereits für einen zweigleisigen Ausbau ausgelegt war, wurde die Strecke zunächst nur eingleisig errichtet und in Betrieb genommen. Die im nächsten Abschnitt beschriebenen ‚Unbilden‘ zur Bewältigung des schweren Güterverkehrs, mit Zugteilungen und dem Einsatz von Schiebeloks sowie deren Rückkehr zu ihren Einsatzorten, machten schnell einen zweigleisigen Betrieb erforderlich, welcher am 22. November 1890 aufgenommen werden konnte.

Mit Steigungen von bis zu 29‰ gilt die Frankenwaldbahn als eine von zwei zweigleisigen Gebirgsbahnen in Deutschland. Im Bahnhof Steinbach am Wald, der über sogenannte Steilrampen, beginnend in Probstzella bzw. Pressig-Rothenkirchen, erreicht wird, hat die Bahn mit 594,54m ü. NN ihren Scheitelpunkt. Um den Güterverkehr auf den Rampen zu bewältigen, werden den Güterzügen in Probstzella bzw. Pressig-Rothenkirchen Schiebeloks, zumeist der Baureihe 151, hintenangesetzt. Diese Loks sind mit eigenem Triebfahrzeugführer besetzt und werden nicht an den Zug gekuppelt. Möglich ist dieses Verfahren nur, weil auf den Rampen keinerlei Gefälle existiert, es geht immer bergan. Anschließend kehren diese Loks zu ihrem Ausgangsbahnhof zurück. Da die ungekuppelte Schiebelok an keinerlei technische Steuerung angeschlossen ist, verständigen sich beide Lokführer über Zugfunk. Zu lange Güterzüge werden zudem vor der Steilrampenfahrt geteilt, allerdings konnte ich dergleichen nicht beobachten. Auffällig war aber die augenscheinliche Kürze der von mir gesichteten Güterzüge.

Im Reiseverkehr bekommt man an der Strecke neben Triebwagen der Baureihe 442 (Bombardier Talent 2) und einigen, mit der Baureihe 101 bespannten, Intercityzügen jede Menge ICEs der Baureihe ICE-T zu sehen. Letztere werden mit der Inbetriebnahme der ICE-Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt (voraussichtlich Ende 2017) von der Frankenwaldbahn verschwinden.

In Ludwigsstadt, südlich des Trogenbachviadukts, zweigte bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 1971, eine Sekundärbahn nach Lehesten in Thüringen ab. Grund für den Bau dieser Bahn waren vor allem die Transportprobleme der Schieferbrüche, insbesondere des „Oertelsbruch“. Dieser Bruch harrte seinerzeit schon jahrelang darauf, dass eine Bahn gebaut wird, die heute als Sormitztalbahn bekannt ist. Doch diese wurde erst im Dezember 1907 eröffnet. Klar, das Kommerzienrat Oertel, Inhaber des Oertelsbruch, den Anschluss von Ludwigsstadt an die Bahn im Jahre 1885 als seine Chance ansah. Nach meinen Informationen, die nicht Bestandteil des unten verlinkten Wikipediaartikels sind, soll Oertel maßgeblichen Anteil an der Durchsetzung des entsprechenden Staatsvertrages gehabt und selber 300.000 Goldmark in den Bau der Strecke investiert haben. Auf DDR-Seite wurde der Anschluss bis Ende Mai 1952 stillgelegt und zurück gebaut. Die offizielle Stilllegung der Strecke auf Seite der ehemaligen BRD erfolgte am 1. März 1971.

Wenn auch nicht Bestandteil der hier beschriebenen Wanderung, soll doch der, am 8. August 1885 in Betrieb genommene, Bahnhof Probstzella extra erwähnt werden. Er ist der südlichste Bahnhof Thüringens und war anfänglich Übergabebahnhof zwischen den Königlich Bayerischen -und Preußischen Staatseisenbahnen. Während der innerdeutschen Teilung war Probstzella Grenzbahnhof. Das im Bahnhofsgebäude untergebrachte ‚Grenzbahnhof-Museum‘ legt Zeugnis ab über das schikanöse Kontrollregime an der Grenze.

Eine, in Probstzella beginnende Bahnstrecke nach Sonneberg (Thür) ist heute m.W. bis Ernstthal am Rennsteig stillgelegt. Der Streckenabschnitt ist unter dem Namen ‚Max und Moritz Bahn‘ bekannt. Ein Förderverein bemüht sich um den Erhalt der Bauwerke an der Strecke und um die Wiederaufnahme des Zugverkehrs.

Externe Links:
Die Frankenwaldbahn
Schiebebetrieb auf der Frankenwaldrampe
Grenzbahnhofmuseum in Probstzella
Sekundärbahn Ludwigsstadt – Lehesten
Bahnstrecke Sonneberg – Probstzella
Förderverein Max und Moritzbahn

Zur Strecke:
Die Einwegstrecke macht eine Anfahrt erforderlich. Mein Auto habe ich am Bahnhof Ludwigsstadt geparkt. Danach bin ich mit der Bahn nach Steinbach am Wald gefahren. Zumindest an Werktagen gibt es einen Zug pro Stunde.
Die Wanderung beginnt in Steinbach am Wald und führt rund 8,5 km vorwiegend bergab. Lediglich der Abstecher bei Ludwigsstadt hat es in sich. Man kann ihn weglassen, versäumt dann aber einen schönen Ausblick auf den Ort und das Trogenbachviadukt.

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